Gedanken eines Schreiberlings
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Das Wort zum Sonntag
Consent in Dark Romance
Der Elefant im Raum
Ich sage es direkt, weil es niemand anderes tut: Consent ist das A und O. Guter Spice schreibt sich nicht ohne Einverständnis. Mal ganz davon abgesehen, dass alles andere schlicht eine Vergewaltigung wäre nur Ja ist ein Ja. Punkt.
Ich weiß, wir sagen gern, Bücher sind nicht politisch. Aber genau hier ist für mich der Knackpunkt. Wir dürfen dieses Thema nicht verharmlosen. Einige Autorinnen argumentieren, in Büchern sei alles möglich, es sei ja nur Fantasie. Ich sehe das anders. Wir haben eine Verantwortung – besonders gegenüber jungen Leserinnen. Selbstbestimmung ist kein Trend, sondern ein Grundprinzip. Und das gilt auch im dunkelsten Romance-Subgenre.
Was bedeutet Consent in einem Genre, das mit Grenzen spielt?
Für mich ist Consent immer ein klar und deutlich ausgesprochenes Ja. Auch in Dark Romance. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Manchmal reicht ein Nicken, ein eindeutiges Zeichen, dass sie genau das will, was gerade passiert. Ich versuche immer, irgendeine Form der Zustimmung einzubauen — weil das für mich keine Einschränkung ist, sondern Teil der Geschichte.
Und nein, das killt die Spannung nicht. Dazu kommen wir gleich noch. g–
Fiktion vs. Realität
Ich unterscheide immer zwischen Fiktion und Realität. Immer. Gerade in Dark Romance sind die Charaktere so verdorben, dass ich sie lieber zur Therapie schicken würde als in eine echte Beziehung. Was mich besonders stört: die Idee, dass die Protagonistin für die seelische Gesundheit des Kerls verantwortlich ist. Das geht gar nicht. Eine Liebesgeschichte ist kein Therapieersatz, und ich entferne mich so weit wie möglich von diesem Trope.
Wie ich Consent in meinen Büchern umsetze
Mein liebstes Beispiel? Desh und Elektra in Mafia Hearts – Obsessed. Der Moment, in dem sie sich ihm hingibt und einen Kuss fordert – obwohl sie glaubt, dass es ihr letzter sein wird. Das ist der emotionale Wendepunkt des gesamten Buches. Danach kann er sie nicht mehr töten. Wahh!!!!
Nicht weil sie ihn überredet hat. Sondern weil sie sich bewusst für ihn entschieden hat. Trotz allem. Das ist Consent als Plotmittel – und es ist einer der stärksten Momente, die ich je geschrieben habe.–
Die rote Linie
Die absolute Grenze ist das Bewusstsein. Ich würde niemals Spice schreiben, in der eine Person ohne Bewusstsein ist. Das geht überhaupt nicht. Fesselspiele? Möglich. Aber nur, wenn die Frau klar kommuniziert, dass sie genau das will. Keine Ausnahmen. NIE. NIEMALS. NICHT.
Consent als Plotmittel – nicht als Bremse
Und jetzt zur Frage, die ich am liebsten beantworte: Kann ein „Darf ich?“ heißer sein als das Gegenteil?
Oh ja. Definitiv.
Denn was gibt es Geileres für einen Mann, wenn sich die Frau trotz all seiner Laster, seiner Fehler, seiner Dunkelheit bewusst für ihn entscheidet? Das ist keine Schwäche. Das ist Macht. Ihre Macht. Und genau das macht den Moment elektrisch.
Fazit
Wir lesen und schreiben Dark Romance, weil wir das Verbotene lieben. Den Nervenkitzel. Die Grauzone. Aber lass uns dabei eines nicht vergessen: Wir würden NIEMALS einen solchen Mann im echten Leben mit nach Hause nehmen. Das Buch schließen, aufatmen – und dann zurück in die Realität.
Fiktion darf dunkel sein. Aber Consent ist keine Fiktion.
In diesem Sinne: Greif in die Keksdose, genieß den Nervenkitzel – und vergiss dabei nie, wer du bist.
Alles Liebe, deine Kitty
