Liebe Stand nicht im Vertrag

The Fake Wedding Deal

Liebe stand nicht im Vertrag!

The Fake Wedding Deal

Titel: The Fake Wedding Deal
Status: Einteiler
eBook: 2,99 €
Print: 14,99 €
Erscheinungsdatum: 29.05.2022
Seitenzahl: 347
Coverdesign: Renee Rott – Dreamcover Design

Sie verliert alles, er bezahlt und heiratet – sie.

Pech im Spiel, Glück in der Liebe?

Lacey pokert nicht gut genug. Genau das wird der Enthüllungsjournalistin zum Verhängnis, als sie sich bei einem illegalen Pokerspiel verzockt. Ein maskierter Mann bezahlt ihre Schulden, aber die edle Geste hat einen Haken: Lacey soll ihn im Gegenzug heiraten. Doch was tut man nicht alles für eine gute Story?

Nur wenn Hunter Harrington endlich heiratet, überschreibt ihm sein Onkel die ersehnten Firmenanteile. Glücklicherweise hat er eine Schwäche fürs Pokern: Die Kleine, die sich am Spieltisch verkalkuliert, kommt ihm gerade Recht. Sie verliert, er bezahlt und heiratet – sie.

Doch dann gerät der aalglatte Unternehmer in Schwierigkeiten: Die junge Frau geht ihm schon bald näher, als er zulassen will. Kaufen kann man fast alles, doch Liebe kann man nicht vertraglich vereinbaren. Oder doch?

Spannende und knisternde CEO-Erotika über eine Fake-Hochzeit mit expliziten Szenen und Happy End.

Textschnipsel

Printcover

Leseprobe - Kapitel 1


Schweiß perlte auf meiner Stirn. Der Puls donnerte wie eine Horde Wildpferde durch mein Ohr. Von meinem galoppierenden Herzschlag wollte ich gar nicht erst reden. Den versuchte ich seit Beginn des Abends vehement zu ignorieren. Ich hätte eine Ladung Betablocker einwerfen sollen, bevor ich herkam. Aber nein, Lacey Roberts wollte eine knallharte Enthüllungsjournalistin sein und jetzt saß ich sowas von in der Patsche.
Michael, mein Chefredakteur, hätte mich eigenhändig an den Schreibtisch gefesselt, wenn er geahnt hätte, was ich heute Abend plante. Aber zumindest im Belügen meines Bosses legte ich eine gewisse Abgebrühtheit an den Tag. Und ich nahm an, gut genug im Betrügen beim Kartenspiel zu sein, um mich an dem runden Tisch durchzumogeln. Wider Erwarten bot das elegante Abendkleid kaum Möglichkeiten, meine Tricks vorzubereiten, und ich ging jede Wette ein, zumindest einer der am Tisch sitzenden Herren betrog ebenfalls. Wenn ich richtig gezählt hatte, befanden sich fünf Asse im Spiel. Fünf Asse! Herrje. Und ich dachte schon, ich konnte gut schummeln.
»Ihr Einsatz, Ms. R.«
Ich sah kurz von meinem nicht zu gebrauchenden Blatt auf. Viel zu niedrig. Normalerweise würde ich bei diesem Blatt sehen wollen, aber diese Gruppe pokerte wie die Weltmeister. Vier Herren, alle maskiert, genau wie ich. Sie trugen schwarze Smokings und einheitliche Masken. Nur anhand der unterschiedlichen Haarfarbe und Frisur konnte ich sie auseinanderhalten. Zu meiner Linken saß Mr. P, dunkelhaarig mit leicht angegrauten Schläfen. Ich schätzte ihn auf maximal Ende vierzig. Seine sportliche Figur ließ erahnen, dass er großen Wert auf körperliche Fitness legte. Rechts von mir, Mr. K. Rundlich, schütteres Haar, beginnende Glatze. Er schien mir noch der ehrlichste Spieler in der Runde. Demzufolge schrumpfte auch sein Bargeldhaufen entsprechend. Mir gegenüber saß Mr. A. Lange, schlaksige Gestalt, seine Krawatte war genauso dünn wie sein Lächeln. Ihm schob ich die Falschspielerei zu. Und dann gab es noch Mr. H. Sportlich, Mitte dreißig, kantiges Kinn mit Fünf-Tage-Bart und unglaublich faszinierenden Augen. Ich blinzelte und begegnete seinem stechenden Blick. Er fixierte mich seit geraumer Weile.
Das Blatt war gut, aber nicht gut genug. Ich wusste das und dennoch stieg ich nicht aus. Beim Pokern ging es nur ums Bluffen. Die Chancen, dass einer der Herren ein höheres Blatt besaß, war äußerst gering. Natürlich hätte ich mich mit einem Flush oder einem Royal Flush viel sicherer gefühlt, aber vier Gleiche war gut … ziemlich gut sogar. Trotzdem, so wie er mich ansah, könnte sich dahinter ein Royal verstecken. Allerdings war Mr. H in den letzten Runden nicht derjenige gewesen, der mit drei Assen ankam, wo ich schon zwei auf der Hand hatte. Normal hätte ich Mr. A auffliegen lassen, aber ich war nicht hier, um Betrüger beim illegalen Pokern zu entlarven. Nein, ich wollte wissen, wer sich hinter den Masken verbarg und das konnte ich nur, wenn sie mich wieder mitspielen ließen.
»Ms. R, entweder Sie erhöhen oder Sie steigen aus.« Der Dealer warf einen Blick auf meinen kümmerlichen Haufen Bargeld. Michael glaubte, ich befände mich auf einer Gala und würde sein Geld für ein Abendkleid ausgeben. Nicht damit pokern. Nach meiner Vorstellung würde ich den Tisch mit einem ansehnlichen Sümmchen verlassen und nicht aussteigen müssen … ich seufzte.
»Ich kann nicht erhöhen, es sei denn, Sie geben mir Kredit?« Ich warf einen koketten Augenaufschlag zum Dealer. Der junge Mann seufzte und zückte bereits zwei Chips im Wert von zweitausend Dollar. Er schob sie mir samt Quittung zu. Hastig unterschrieb ich und warf die Chips auf den Haufen in der Mitte.
H lächelte süffisant. »Sie haben nichts, oder?« Lässig schob er zwei weitere blaue Chips auf den Haufen. Zehntausend Dollar. Himmelherrgott noch mal. Die Männer spielten in einer anderen Liga als ich. Ihre finanziellen Mittel schienen grenzenlos.
»Das geht Sie gar nichts an«, zischte ich und schielte erneut zur Bank. Der Dealer schüttelte vielsagend den Kopf. Ich sollte es lassen, er hatte recht, aber ich wollte sehen. Unbedingt. Mit einer lässigen Handbewegung forderte ich ihn auf, mir drei weitere Chips zu geben. Diesmal in Blau. Fünfzehntausend Dollar, macht siebzehntausend im Minus. Zitternd schloss ich die Augen und schob die Chips auf den Haufen.
H. lachte. »Ms. R, Sie sind eine äußerst gewievte Spielerin. Sie sollten wissen, wann es besser ist, aufzuhören.« H lehnte sich genüsslich nach hinten und beobachtete mich mit dem lauernden Blick eines Katers, der wusste, dass er bereits gewonnen hatte.
Genervt atmete ich ein. Ich hasste selbstgerechte Arschlöcher. »Und ich will sehen.«
H schmunzelte. »Ich zeige Ihnen mein Blatt, aber nur, wenn Sie aufhören, die Bank auszunehmen und sich noch weiter in die Scheiße reinzureiten.«
Ich horchte auf. »Und was wollen Sie dafür?«
H zuckte mit den Schultern. Die Luft prickelte. Angespannt hielt jeder im Raum den Atem an. Mein Herzschlag beschleunigte, was physisch gesehen praktisch nicht mehr möglich war. H sah mich an. Langsam ließ er seinen Blick über meinen Körper gleiten, streichelte über meinen Hals. Meine Haut kribbelte, als würden eintausend winzige Füßchen darüber trippeln. Ein wohliger Schauer rann mir über die Wirbelsäule. Unwillkürlich rieb ich mir den Nacken. Er schnalzte mit der Zunge und ich ließ die Hand wieder sinken, hob das Kinn und blieb an dem tiefen Blau seiner Iris kleben. Als hätte er seinen Augapfel mit diesem seltsamen Fliegenpapier ausgestattet. Das Zeug, woran die Insekten hängen blieben und jämmerlich verreckten. Ich schluckte beklommen.
Sein Blick wanderte weiter, umschmeichelte mein Dekolletee und versank zwischen meinen Brüsten. Ohne etwas dagegen unternehmen zu können, erbebte ich. Heiße Wellen der Lust schwappten über meinen Körper. Ich hatte Mühe, dem Drang zu widerstehen, die Hände vor der Brust zu falten. Mein Atem beschleunigte und ich atmete tief ein, so dass meine Brüste gegen den seidigen Spitzenstoff meines roten Abendkleides gedrückt wurden. Mr. H schürte die Lippen. Seine Augen umspielten meine Nippel, die sich unwillkürlich unter der Berührung aufrichteten und schmerzhaft erregt gegen die markante Maserung der Spitze drückten. Spitze sah wirklich toll auf sonnengebräunter Haut aus. Nur deshalb wählte ich dieses Kleid. Aber entgegen der landläufigen Meinung war der Stoff nicht weich. Er umschmeichelte zwar meine Kurven wie eine zweite Haut, drückte aber an diversen Stellen, die weichere Stoffe gewöhnt waren. Und da das Kleid über einen tiefen Rückenausschnitt verfügte, verzichtete ich auf einen BH. Sehr zur Freude der anwesenden Herren, Mr. H sei extra erwähnt. Er schien sich regelrecht an meinen Brüsten festzusaugen. Ich erschauerte und gab dem Drang schließlich doch nach. Hastig verschränkte ich die Arme vor der Brust. Der Bann brach.
»Nein, einfach nur nein.«
Mr. H neigte den Kopf zur Seite. »Sie wissen ja noch gar nicht, worauf ich hinaus will, Ms. R.«
Ich schüttelte mich innerlich. Mr. H konnte noch so gut aussehen, ich würde auf gar keinen Fall mit ihm schlafen. Andererseits würde er dann vielleicht die Maske abnehmen … hastig verscheuchte ich den Gedanken aus meinem Kopf. Soweit kommt’s noch. Michael Holland war ein Spießer und er würde niemals eine Story abdrucken, für die ich mich ausgezogen hatte. »Ach nein?«
Mr. H reckte das Kinn. »Nein.« Langsam beugte er sich vor und legte seine fünf Karten verdeckt auf den Tisch, eine nach der anderen. Ich starrte wie benommen auf seine perfekt manikürten Finger. Lang und schlank, makellos. Aber auch kräftig. Sie ließen keinen Zweifel aufkommen, dass Mr. H Sport trieb. Mein Blick bewegte sich weiter hinauf. Unter dem Sakko verbargen sich adrige Unterarme. Der Stoff spannte leicht. Natürlich saß der Anzug perfekt, eine Maßanfertigung, denn seine breiten Schultern passten wohl kaum in Ware von der Stange. Dennoch spannte der Stoff, als ob er zeigen wollte, was er zu bieten hatte, nicht zu offensichtlich, aber man sollte es sehen. Die Damen sollten es sehen. Schockiert sah ich weg. Nein, in dieser Richtung durften meine Gedanken nicht abdriften.
Unwillkürlich begegnete ich seinem Blick. Er lächelte, so als ob meine Musterung ihm nicht entgangen war. Innerlich seufzte ich auf. An meinem Pokerface musste ich noch arbeiten, zumindest außerhalb des Pokerns.
»Was wollen Sie dann?«
Mr. H neigte den Kopf. »Sie.«
Ich schluckte beklommen. »Mich? Sie sagten, kein Sex.«
H bewegte leicht das Kinn. »Auch wenn ich es sehr bedauern werde, kein Sex. Ein Angebot. Sie hören es sich an. Wenn Sie annehmen, zahle ich Ihre Spielschulden und noch Einiges mehr. Fünf Minuten Ihrer Zeit, Ms. R.«
Ich hob die Augenbraue. Das war’s? Er wollte nur mit mir reden? Okay. Ich atmete tief durch. »Und dafür zeigen Sie mir, was Sie haben?«
H deutete auf mein Blatt. »Wir beide und dann werden wir sehen, wer gewonnen hat. Sie könnten den Tisch als reiche Frau verlassen.«
Ich zog die Augenbrauen zusammen. »Wer sagt Ihnen, dass ich nicht reich bin und nur gerade einen kleinen, unbedeutenden Kredit brauche, um Ihnen das blasierte Grinsen aus dem Gesicht zu wischen?« Neben mir schnappte jemand nach Luft. Ich ignorierte ihn. Mr. Hs Lächeln fokussierte meine gesamte Aufmerksamkeit auf ihn.
»Nennen Sie es Intuition.«
»Ha!«, machte ich. Mr. H ließ sich zu einem genüsslichen Grinsen hinreißen.
»Also, was ist? Nehmen Sie an?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Natürlich. Wie könnte ich einem solchen Angebot widerstehen?« Meine Serie war ein gutes Blatt, nicht überragend, aber … brauchbar. Er müsste schon einen Flush oder einen Royal Flush anbieten und das war so wahrscheinlich wie Schnee im Juli. An der Westküste. Und außerdem hatte ich nichts mehr zu verlieren. Meine Schulden zwangen mich zudem in eine schlechtere Position. Ich musste seinen Vorschlag annehmen und der Dreckskerl wusste es. Nun gut, wenn ich dadurch erfuhr, wer hier illegal pokerte, war es mir nur recht und billig.
H hob die Ecke der rechts außen liegenden Karte an. »Gleichzeitig?«
Ich schmunzelte. »Gerne. Sie sind ein gewievter Spieler.« Ich griff ebenfalls nach meiner links außen liegenden Karte und suchte Blickkontakt.
»Ganz meinerseits. Auf drei.« H zählte an und gemeinsam drehten wir die erste Karte um. Ich hatte eine Herz fünf, H ein Kreuz-Ass. Verdammt. Ich schluckte.
Gleichzeitig griffen wir nach der nächsten Karte und drehten um. Herz sechs für mich, Kreuz König für H. Heißer und kalter Schweiß brach mir aus. Ein Royal stand immer noch auf dem Tisch, alles war möglich. Ich sah auf. H. lächelte süffisant.
»Herz, ich bin beeindruckt.« Hofierte er mich etwa? Unwillkürlich knirschte ich mit den Zähnen und öffnete sofort leicht den Mund. Wäre meine Mom hier, würde sie mir die Ohren langziehen. Diese lästige Angewohnheit hatte ich doch längst aufgegeben.
Ich wollte eine saftige Bemerkung erwidern, schluckte sie aber herunter. An diesem Tisch standen Manieren an erster Stelle. Wollte ich wieder eingeladen werden, musste ich mich als ernstzunehmende Gegnerin beweisen. Und die fluchten nicht. »Weiter«, gab ich von mir, konnte meinen Unwillen jedoch nicht gänzlich verbergen. H neigte gönnerhaft den Kopf.
»Wie die Dame wünscht.« Er griff nach der dritten Karte und wartete auf meine Reaktion. Vorsichtig lupfte er die Ecke, ich tat es ihm gleich. Gemeinsam drehten wir um und mir sackte das Herz in den Magen. Kreuz Dame für ihn, Herz sieben für mich.
H lächelte. »Was wird das? Ein Full House? Wollen wir nachsehen?«
Mittlerweile zitterte ich vor unterdrückter Anspannung. Gemeinsam griffen wir nach Karte Nummer vier. Ich wartete gar nicht erst auf seine Reaktion und drehte um. Herz acht für mich. Ich atmete aus und starrte auf seinen Kreuz-Buben.
»Verarschen Sie mich?«
H leckte sich die Lippen. »Das würde mir nicht im Traum einfallen. Wir können gleich gehen, wenn Sie es wünschen. Ich muss nicht sehen, was Sie haben, wenn Sie sich geschlagen geben.«
Ich verengte die Augen zu Schlitzen. »Niemals. Nun will ich sehen.«
H lachte auf. »Sie sind eine ungeduldige Frau, Ms. R. Aber gut, ich würde lügen, wenn ich nicht auch sehen wollte. Zeigen Sie mir, was Sie haben.« Die unterschwellige sexuelle Anspannung entging mir nicht. Dazu brauchte er nicht erneut in meinen Ausschnitt starren. Ich konnte ihm regelrecht ansehen, dass er mir am liebsten das Kleid von den Brüsten geschoben hätte, doch daraus würde nichts werden.
»Kein Sex.« Ich brauchte diese Rückversicherung einfach.
H lachte auf. »Angst, dass ich meine Meinung ändere?«
Ich schluckte beklommen und drehte meine letzte Karte um. Herz neun. Ein Raunen ging durch die anwesenden Herren, deren Existenz ich in den letzten Minuten schlicht vergessen hatte. H neigte leicht den Kopf. »Straight Flush. Ich bin beeindruckt.« Langsam und genüsslich drehte er seine letzte Karte um. Kreuz zehn. Wie gebannt starrte ich auf die Karte. Ich bekam die Glückwünsche der Herren um mich herum gar nicht mit, selbst als man mir gratulierte, dass ich hervorragend gespielt hatte, starrte ich noch immer auf die Karte. Verloren. Dieser Misterkerl hatte tatsächlich einen Royal Flush. Ich biss mir auf die Unterlippe. Das war … unmöglich. Im Kopf ging ich die Karten durch, was sich im Spiel befand und zählte. Mir wollte beim besten Willen nicht einfallen, wie er das gemacht hatte.
Eine Berührung an meiner Schulter ließ mich aufsehen. H war von seinem Platz aufgestanden und neben mich getreten. Er reichte mir seinen Arm. »Darf ich meinen Preis einfordern, Ms. R.?« Er lächelte. Unsicher schluckte ich. Offensichtlich musste ich ihn anstarren wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange, so dass er sich genötigt sah, eine beruhigende Bemerkung hinzuzufügen. »Keine Sorge, ich bin ein Ehrenmann und stehe zu meinem Wort. Kein Sex.«
Meine Zähne gruben sich in die rot geschminkte Unterlippe, nur damit ich nicht wieder mit dem Knirschen anfing. Vorsichtig erhob ich mich und legte gehorsam meine Hand in seine Armbeuge. H drehte uns um und führte mich langsam in den großen Salon, wo wir vor Beginn der Pokerpartie einen Drink genommen hatten. »Wie sicher sind Sie sich da?«
»Ziemlich sicher, Ms. R. Und nun kommen Sie. Mir gehören fünf Minuten Ihrer kostbaren Zeit.«
Mit klopfendem Herzen ließ ich mich von ihm in den Nebenraum und von da aus in eines der unzähligen Privatzimmer des Clubs führen. Dies war keiner jener geheimen Clubs, die den Mitgliedern neben Bars und erotischen Aufführungen auch Playrooms zur Verfügung stellten. In so einen Club hätten mich keine zehn Pferde bekommen. Ich wollte zwar Enthüllungsgeschichten schreiben, aber so verzweifelt war ich nun auch wieder nicht. Sex sells, aber nicht mit mir. Der Royal Dragon gehörte einem reichen New Yorker Playboy, der, so wurde gemunkelt, neben Millionen aus Immobiliengeschäften seiner Familie auch illegales Glücksspiel betrieb. Grundsätzlich störte sich niemand daran, wenn sich Millionäre um ein paar hunderttausend Dollar pro Abend erleichterten. Schließlich konnten sie mit ihrem Geld machen, was sie wollten. Nein, ich wollte nur Timothy Brooks Machenschaften enthüllen und ganz zufällig denen ein Gesicht verleihen, die sich daran beteiligten. Illegales Glücksspiel zerstörte unzählige Arbeitsplätze, Menschen litten, und wurden in Armut gedrängt. Sollten sie doch mit ihrem Geld lieber eine Suppenküche unterstützen, einen Fond für Waisen einrichten oder Veteranen mit Hightechprothesen ausstatten, statt in dunklen Hinterzimmern Mafia zu spielen. Das störte mich. Weil mein Vater einer jener Menschen war, die durch illegales Glücksspiel beinahe alles verloren hatte. Weil er mit den Reichen mithalten wollte und es natürlich nicht konnte. Deshalb war ich hier, deshalb setzte ich mein Leben aufs Spiel. Nicht für eine gute Story, nein, für meinen Vater. Und all jene Väter, die ihre Familie ins Unglück stürzten, weil sie nicht vom Spielen lassen konnten.
H legte seine schlanken Finger mit den perfekt manikürten Nägeln auf den Türgriff und öffnete leise die Tür für mich. Mit einer einladenden Geste beugte er sich zur Seite. »Ms. R, darf ich bitten?«
Obwohl noch nichts passiert war, zitterte ich am ganzen Körper. Mit ihm alleine zu sein, behagte mir überhaupt nicht. Egal wie hoch das Risiko war, wie brisant die Story auch sein mochte, ich achtete akribisch darauf, mich immer in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ob ich nun einen Informanten traf oder – so wie jetzt – undercover ermittelte. Niemals ließ ich mich darauf ein, mit einem Mann allein zu sein. Ein ängstlicher Schauer erfasste mich. Dennoch schritt ich mit einem einstudierten Lächeln an ihm vorüber, als ob es nichts Normaleres auf der Welt gäbe, bei einem Pokerspiel zu verlieren und zu denken, die Schuld nicht mit körpernahen Dienstleistungen einlösen zu müssen. Ehrenmann, dass ich nicht lache. Männer waren doch alle gleich. Sie wollten Sex, immer nur wollten sie eine Frau demütigen und erniedrigen. Als gebranntes Kind scheute ich das Feuer, doch heute nicht. Um seine Ängste zu besiegen, stellte man sich ihnen am besten frontal in den Weg, oder? Ich atmete tief durch und schritt in den Raum. Wenn ich mich da mal nicht täuschte.