Gedanken eines Schreiberlings

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Das Wort zum Sonntag

Die toxische Entwicklung der Dark Romance

Dark Romance — meine Leidenschaft

Manchmal schreibe ich ganz gerne Dark Romance. Ich liebe es, in die dunkle Welt der Mafia einzutauchen und habe mit »Mafia Hearts« und »Princess Unchained« bereits kleine Ausflüge in die düstere Welt der Dark Romance gemacht. Genauso bin ich leidenschaftliche Dark Romance Leserin.

Aber die Richtung, in die sich Dark Romance entwickelt, macht mir etwas Sorgen. Denn was sich in den letzten Jahren unter dem Label tummelt, hat mit dem Genre, das ich liebe, manchmal wenig zu tun.

Der Tanz am Rand des Vulkans

Dark Romance ist für mich wie der Tanz am Rand eines Vulkans. Du stehst dort oben, spürst die Hitze, riechst den Schwefel. Du könntest zurückweichen, runterklettern und fliehen. Niemand zwingt dich, zu bleiben.

Und trotzdem bleibst du dort oben stehen, riskierst einen winzigen Blick, machst vielleicht sogar noch einen Schritt nach vorn.

Wie weit kannst du gehen, bevor du abstürzst? Was passiert, wenn du fällst? Verschlingt dich die Lava — oder kannst du die Hitze aushalten?

Das ist Dark Romance. Diese Spannung zwischen Angst und Verlangen. Diese Frage, die das Genre stellt: Wie weit gehst du? Und warum?

Aber — und das ist der entscheidende Punkt — du tanzt dort oben aus freiem Willen. Du entscheidest ganz allein.

Was mich stört

Was ich in letzter Zeit immer öfter lese, ist etwas anderes. Da wird die Heldin einfach reingestoßen, eingesperrt, verprügelt und erniedrigt. Und drei Szenen später liebt sie es.

Ähm, nein.

Das ist für mich nicht Dark Romance.

Versteht mich nicht falsch: Dominanz und Unterwerfung sind für mich nicht verboten und hätten keinen Platz in düsteren Geschichten — oh nein, sie gehören definitiv dorthin, ich fordere das sogar ein.

Aber was mich stört, ist die psychologische Komponente, die einfach nicht stimmt.

Angst schlägt Verlangen — immer

Wir als Menschen sind von Natur aus auf Überleben gepolt. Angst zu haben hat einen bestimmten Grund. Sie schützt uns vor Gefahren, hindert uns daran, zu hohe Risiken einzugehen. Ich behaupte mal ganz frech, dass es kein stärkeres Gefühl als echte, ursprüngliche Angst gibt.

Verlangen, egal wie sexy der Kerl auch sein mag, wie geil seine … Möhre auch aussieht — wenn die Frau richtige, echte Angst empfindet, funktioniert Verlangen einfach nicht.

Das ist keine Meinung, das ist menschliche Psychologie. Wenn jemand mir Angst macht — echte, körperliche Angst — dann ist mein erster Instinkt nicht Begehren, sondern Flucht. Nur weg hier.

Kann Angst zu Verlangen werden?

Ja, absolut. Aber damit eine solche Entwicklung vonstatten geht, braucht es verdammt viel Zeit und auch Szenen, in denen sich die Dynamik verschiebt. In denen die Heldin erkennt: Er könnte mir wehtun. Aber er tut es nicht.

Ich finde, das ist der wahre Kern der Dark Romance.

Es braucht eine glaubwürdige emotionale Reise — nicht ein heißer Kaffee, eine Dusche und zack, wird munter gevögelt. Er muss sich ihr Vertrauen verdienen. Und wenn er es dann wieder mit einem Gewaltakt verspielt, sorry, Kumpel, aber dann bist du raus.

Broken Heroes — aber bitte richtig

Wir mögen unsere Broken Heroes, aber nur deshalb, weil sie zu unserer Heldin niemals gewalttätig sein würden. Bei ihr werden sie zu sanften Riesen, sie tragen sie auf Händen, umsorgen sie, lieben sie. Und Liebe hat für mich nichts mit Gewalt zu tun.

Der Tanz am Vulkanrand funktioniert nur, wenn die Tänzerin weiß, was sie tut. Wenn sie die Gefahr kennt und sich bewusst entscheidet zu bleiben. Das ist Spannung. Das ist Dark Romance.

Was nicht funktioniert: Sie wird an den Rand geschleppt, hat keine Wahl, und nennt es am Ende Liebe.

Das ist kein Tanz — das ist etwas, was sehr gefährlich werden kann.

Das Frauenbild, das mich besorgt

Ich mache mir Sorgen um das Frauenbild, das sich in Teilen des Genres etabliert hat. Frauen, die Gewalt ertragen und es Leidenschaft nennen. Frauen, die keine eigene Stimme haben, keine eigene Stärke, keine eigene Entscheidung. Frauen, die existieren, damit der dunkle Held seinen Erlösungsbogen haben kann.

Meine Heldinnen sind anders. Billie rettet Mac das Leben — nicht umgekehrt. Elektra küsst den Mann, der sie töten soll. Aus Trotz. Jessie ist FBI-Agentin mit eigenen Dämonen, eigenen Fehlern, eigenen Entscheidungen.

Sie tanzen am Vulkanrand. Aber sie tanzen selbst.

Meine rote Linie

Dark Romance darf dunkel sein. Sie darf unbequem sein. Sie darf Fragen stellen, die keine einfachen Antworten haben.

Aber sie sollte niemals aufhören, die Frau als Mensch zu zeigen, als aktive Komponente der Geschichte — nicht als Requisite für ihn.

Deshalb werdet ihr in meinen Dark Romance Geschichten niemals Vergewaltigungen, Sex ohne Konsens oder gewalttätige Szenen lesen, in denen meine Heldin von Angst zu Verlangen schwappt.

Das ist meine rote Linie. Und darüber konnte ich auch auf der LBM an zwei Panels teilnehmen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Gleichgesinnte zu treffen, ihnen zu erklären, warum meine Dark Romance Geschichten eben anders sind — und dass sie nicht das erwarten, was ihnen in den typischen Storys vorgesetzt wird.

Alles Liebe, eure Kitty 💋

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